Häufig vorkommende Atemwegserkrankungen bei Erwachsenen
MedPort - Thema des Monats - 4. Deutscher Lungentag - Häufig vorkommende Atemwegserkrankungen bei Erwachsenen
 
  
 
 

Chronisch obstruktive Bronchitis und Lungenemphysem

Bronchitis ist eine Entzündung der Bronchialschleimhaut, die durch Erreger, Allergene, Luftschadstoffe, wie insbesondere aber Zigarettenrauch oder andere Substanzen verursacht werden kann. Die Bronchitis gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Menschen. Man unterscheidet die akute und die chronische Bronchitis. Eine Bronchitis wird chronisch genannt, wenn Husten und Auswurf über wenigstens 3 Monate in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Jahren vorkommen. Außerdem unterscheidet man bei der Bronchitis eine nicht-obstruktive (ohne Atemnot) und die obstruktive Form, bei der es durch Verengung der Bronchien zu Atemnot kommt.

Bronchien sind die von der Luftröhre abgehenden Verästelungen, durch die die Luft in und aus der Lunge strömt. In ihren Wänden befinden sich feine Blutgefäße, feine Muskeln und Flimmerhärchen, die für den Abtransport von Verunreinigungen verantwortlich sind. Wenn sie sich entzünden, kommt es zu Husten, Auswurf und Atemnot.

Durch die andauernde Verengung der Atemwege, kann ein Lungenemphysem entstehen. Die Lunge wird, ähnlich einem Luftballon, der zuviel Luft enthält, überbläht. Dabei kommt es zu einer Zerstörung der Lungenbläschen, es entstehen Hohlräume, die über weniger Fläche für den Luftaustausch verfügen. Die Zerstörung des Lungengewebes beim Lungenemphysem ist nicht mehr rückgängig zu machen (irreversibel). Lungenemphysem kann in selteneren Fällen auch durch einen angeborenen Mangel an Alpha 1 - Antitrypsin (körpereigener Eiweißkörper) verursacht werden.

Chronisch obstruktive Bronchitis und Lungenemphysem kommen oft zusammen vor und werden unter dem Sammelbegriff COPD (chronic obstructive pulmonary disease) zusammengefasst.

Häufigkeit und Folgen

  • Ca. 10-12% der erwachsenen Bevölkerung leiden an chronischer Bronchitis. Chronische Bronchitis kommt bei Erwachsenen etwa doppelt so häufig wie Asthma vor.
  • Mindestens 10.000 Männer und Frauen versterben im Jahr an den Folgen der chronischen Bronchitis.
  • Die chronische Bronchitis belastet das Gesundheitssystem im Jahr mit ca. 12 Milliarden DM und ist damit die "teuerste" Lungenkrankheit in Deutschland.

Therapie

An erster Stelle müssen die Ursachen der Bronchitis eliminiert werden. Das bedeutet:

  • Rauchen einstellen.

Die Therapie besteht aus der Linderung der Beschwerden wie Husten, Auswurf und Atemnot mit Medikamenten. Beim Auftreten bakterieller Infekte werden Antibiotika eingesetzt. Zur Vorbeugung von Infektionen werden Grippe- und Pneumokokken-Schutzimpfungen empfohlen. Die körperliche Betätigung im Rahmen von Lungensportgruppen verbessert das Wohlbefinden der Patienten.

 

Asthma bronchiale

Asthma ist eine chronisch entzündliche Erkrankung der Atemwege, die durch verschiedene Auslöser, wie Allergene, Anstrengung oder bestimmte Medikamente verursacht werden kann.

Durch die Entzündung können sich die Atemwege verengen. Dies führt zu Atemnot. Typisch beim Asthma ist, dass der Grad der Atemnot und die Häufigkeit des Auftretens von Atemnot variieren. Beim Asthmatiker sind die Atemwege empfindlicher und reagieren sensibler auf Umweltreize.

Zahlen und Fakten

  • Schätzungen zufolge leiden 10 Prozent der Kinder an Asthma oder haben nachweislich ein überempfindliches Bronchialsystem.
  • Asthma ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter.
  • Etwa 5 Prozent der Erwachsenen leiden an Asthma.
  • Kinder haben vor allem ein allergisches Asthma, Erwachsene leiden häufiger an anderen Asthmaformen.
  • 75 Prozent der Asthmatiker haben ein leichtes Asthma, 20 Prozent ein mittelschweres und 5 Prozent leiden unter schwerem Asthma.
  • Die Gesamtaufwendungen in Deutschland für Asthma betrugen im Jahr 1997 4,2 Mrd. DM.

Ursachen

Die Ursachen für die Entstehung eines Asthmas sind noch nicht vollständig geklärt. Es gilt aber als gesichert, dass erbliche und Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Als gesichert gilt, dass verschiedene Effektorzellen, die zahlreiche Botenstoffe ausscheiden, an Entstehung und

Unterhalt der Atemwegsentzündung beteiligt sind.

Auslöser

Je nach Auslöser der Atemnot werden verschiedene Asthmaformen unterschieden:

  • Allergisches Asthma wird durch Allergene wie Pollen, Schimmelpilze, die Ausscheidungen von Hausstaubmilben, Haustiere usw. ausgelöst.
  • Anstrengungsasthma wird durch körperliche Anstrengung oder kalte Luft provoziert.
  • Beim Medikamentenasthma spielt besonders die Acetylsalicylsäure (ASS) eine Rolle.

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Diagnose

Typisch für Asthma ist die anfallsweise, häufig nachts oder bei körperlicher Belastung auftretende, variable Atemnot. Wenn der Arzt den Asthmatiker mit seinem Stethoskop abhört, hört er ein Giemen und Brummen. Die Überempfindlichkeit der Atemwege kann sich auch durch Hustenanfälle äußern.

Eine sichere Diagnose ist durch Lungenfunktionstests möglich.

Wie kann man Asthmaanfälle vermeiden, wie Asthma vorbeugen ?

Auch hier steht die Meidung der Auslöser, soweit Sie bekannt sind, an erster Stelle. Das kann allerdings bedeuten, dass man z. B. auf liebgewonnene Haustiere, wenn sie als Auslöser der Atemnot identifiziert wurden, verzichten muss.

Da genetische Faktoren bei der Entstehung des Asthmas eine wichtige Rolle spielen, sollte bei bekannten Asthmaerkrankungen in der Familie auf einen möglichst allergen-armen Lebensraum bzw. Lebensweise geachtet werden. Zu den Vorsorgemaßnahmen gehört auch das Stillen der Säuglinge mindestens bis zum 4-6 Lebensmonat.

Therapie

Diagnose und Behandlung von Asthma erfolgen nach den Empfehlungen der Deutschen Atemwegsliga und der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie. Beide Fachgesellschaften aktualisieren ihre Diagnose- und Therapieempfehlungen regelmäßig und passen sie den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen an. Ziel der Behandlung ist die Beschwerdefreiheit in Ruhe und bei Belastung sowie eine möglichst normale Lungenfunktion.

Bei der antiasthmatischen Therapie werden zwei Hauptprinzipien unterschieden:

  1. Die antientzündliche Therapie, welche die dem Asthma zugrundeliegende Atemwegsentzündung hemmt,
  2. die Entkrampfung der Bronchialmuskulatur (Bronchospasmolyse).

Antientzündlich wirkende Medikamente sind:

  • Kortikosteroide
  • DNCG und Nedocromil,
  • Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten,

 

Zu den bronchienerweiternden Medikamenten gehören:

  • Kurz- und langwirkende Beta2-Sympathomimetika,
  • Anticholinergika,
  • theophyllinhaltige Medikamente.

Auch Kombinationspräparate aus einer entzündungshemmenden und einer bronchienerweiternden Komponente sowie aus zwei bronchialerweiternd wirkenden Medikamenten werden eingesetzt.

Der behandelnde Arzt entscheidet in Abhängigkeit vom Schweregrad der Erkrankung, welche Medikamente zum Einsatz kommen. Die aktuell gültigen Asthmatherapieempfehlungen unterstützen ihn bei der Entscheidungsfindung.

Modernes Asthmamanagement

Asthma ist eine chronische Erkrankung mit wechselhaften Verlauf: Atemnot und längere beschwerdefreie Intervalle wechseln einander ab. Obwohl die Überempfindlichkeit der Atemwege auch in beschwerdefreien Phasen fortbesteht, neigen Patienten dazu, die antientzündliche Therapie bei Beschwerdefreiheit zu vernachlässigen. Hinzu kommt, dass die entzündungshemmende Therapie, keine für den Patienten sofort spürbare Veränderung bewirkt (Wirkungsbeginn nach ca. 5 Tagen bei inhalativer Anwendung).

Moderne Behandlungskonzepte berücksichtigen diese Faktoren, indem sie Patienten durch Angebote zur Patientenschulung und die Beteiligung an Lungensportgruppen in den Prozess der Krankheitsbewältigung miteinbeziehen.

 

Pneumonien

Pneumonie ist der medizinische Fachbegriff für eine Lungenentzündung. Meist wird eine Lungenentzündung durch Bakterien hervorgerufen, seltener durch Viren, Parasiten und Pilze.

Statistik

Die Pneumonie ist die häufigste zum Tode führende Infektionskrankheit in den westlichen Industrieländern und steht in der Todesursachenstatistik an dritter Stelle. Schätzungen zufolge kommt es pro Jahr zu ca. 1,4 Millionen Erkrankungen und etwa 200.000 Krankenhausbehandlungen. 15% der Pneumonien werden im Krankenhaus erworben.

Diagnostik

Eine sichere Diagnose ist durch die Bestimmung der Erreger möglich. In Deutschland sind Pneumokokken die wichtigsten Erreger, die eine Lungenentzündung verursachen können. Deshalb empfiehlt sich besonders bei älteren Menschen oder beim Patienten mit Atemwegserkrankungen wie z. B. COPD eine vorbeugende Pneumokokken-Schutzimpfung.

Therapie

Pneumonien werden mit Antibiotika behandelt. Die Resistenz einiger Erreger gegenüber klassischen Antibiotika wirft zunehmend Probleme bei der Therapie auf.

 

Tuberkulose

Tuberkulose ist weltweit gesehen diejenige Infektionskrankheit, die bei Erwachsenen und Jugendlichen die meisten Todesfälle verursacht. Jährlich erkranken 8 Millionen neu, die Tendenz ist zunehmend. Die Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt durch Einatmen keimhaltiger Luft.

Die Tuberkulose ist eine typische Erkrankung der Notzeiten, der schlechten sozialen Situation und ist besonders problematisch bei Immungeschwächten (z. B. HIV).

Diagnose

Ein positiver Tuberkulintest kann ein Hinweis auf eine stattgefundene Infektion sein, bedeutet aber noch keine Erkrankung. Weitere Aufschlüsse geben Röntgenuntersuchungen des Brustkorbs und der Erregernachweis im Auswurf.

Therapie

Die Behandlung wird mit mehreren Medikamenten durchgeführt. Dabei ist wichtig, dass die Medikamente ununterbrochen über den vorgeschriebenen Zeitraum von etwa 6 – 9 Monaten eingenommen werden. Zunehmend Probleme bereiten Resistenzen gegenüber verschiedenen Medikamenten, die besonders in Osteuropa gesehen werden.

Bronchialkarzinom

Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) ist der häufigste bösartige Krebs des Mannes und gehört neben dem Brustkrebs zu den häufigsten Krebserkrankungen der Frau. Die Gesamtkosten werden jährlich auf 5,3 Milliarden geschätzt. Jeder siebte Raucher stirbt an Lungenkrebs.

Ursachen

Lungenkrebs wird in erster Linie durch Zigarettenrauchen verursacht. Vorbeugung ist die beste Therapie. Dies gilt besonders für den Lungenkrebs. Aus diesem Grund müssen Programme zur Raucherentwöhnung und zum Jugendschutz dringend forciert werden. Das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken, korreliert mit der Anzahl der gerauchten Zigaretten. Das Risiko verringert sich, wenn das Rauchen aufgegeben wurde.

Diagnose

Zur Diagnose werden Röntgenuntersuchungen, Computertomographie und Bronchoskopie eingesetzt. Kombinationen empfindlicher molekularbiologischer Verfahren mit hochauflösenden bildgebenden Techniken sind neue, erfolgversprechende Ansätze zur Früherkennung und Verbesserung der Diagnose.

Therapie

Ein Bronchialkarzinom wird operativ, durch Strahlen- und Chemotherapie behandelt. Die 5-Jahres-Überlebensraten sind schlecht und betragen nur in den frühen Stadien 30 - 70 Prozent.

 

Schlafbezogene Atmungsstörungen

Zu den schlafbezogenen Atmungsstörungen zählen die Schlafapnoe (Aussetzen der Atmung länger als 10 Sekunden während des Schlafs) und Hypoventilation (Minderbelüftung der Lunge). 24 Prozent der Bevölkerung schnarchen, davon Kinder zu 7 – 8 Prozent. Ca. 4 Prozent aller Männer und ca. 2 Prozent aller Frauen leiden an einem Schlafapnoesyndrom. 20 Millionen Deutsche leiden unter Ein- und Durchschlafstörungen.

Bei 3,3 Millionen Menschen verursachen schlafbezogene Atmungsstörungen eine erhöhte Einschlafneigung am Tag. Ein Viertel aller tödlichen Verkehrsunfälle auf Autobahnen ist auf Einschlafen am Steuer zurückzuführen. Das oftmals nicht erkannte obstruktive Schlafapnoesyndrom ist eine der häufigsten Ursachen der Tagesschläfrigkeit.

In Abhängigkeit vom Schweregrad der schlafbezogenen Atmungsstörungen tritt bei der Hälfte der Patienten auch Bluthochdruck, verbunden mit einem erhöhten Risiko einer Herzerkrankung, eines Herzinfarktes und eines Schlaganfalles auf.

Die Krankheit wird mit standardisierten Fragebögen, bei schweren Fällen in Schlaflabors beim Facharzt (HNO, Pneumologe) durch eine Langzeitmessung der Blutsauerstoffgehaltes und durch Reaktionszeittests diagnostiziert. Die Behandlung beginnt mit einer nächtlichen nasalen Überdruckbeatmung und kann medikamentös ergänzt werden.

Interstitielle Lungenerkrankungen

Erkrankungen des Lungenstützgewebes werden unter dem Sammelbegriff interstitielle Lungenerkrankungen zusammengefasst. Die Sarkoidose ist mit 50 Fällen auf 100.000 die häufigste interstitielle Lungenerkrankung. Die Diagnose wird durch ein Röntgenbild und durch eine Untersuchung der Zellverteilung im Sekret in der Lunge (Bronchoalveoläre Lavage, BAL) gestellt. Behandelt wird die Sarkoidose mit Kortison.

Die Lungenfibrose ist ein narbiger Umbau des Lungengerüsts, der als Endzustand chronisch entzündlicher Lungenerkrankungen entsteht.

 

Akutes Lungenversagen (ARDS)

Akutes Lungenversagen (Adult Respiratory Distress Syndrome, ARDS) stellt weltweit die wichtigste intensivmedizinische Komplikation dar. Die Sterblichkeit aufgrund von ARDS ist mit 30-40% immer noch sehr hoch. Durch lungenschonende Beatmungsverfahren (Maskenbeatmung) in der Intensivmedizin kann die Sterblichkeit deutlich gesenkt werden.

Quelle: Deutscher Lungentag

 

letztes Update: 20.02.2005
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