Chronisch lungenkrank - wie viele Menschen sind betroffen?
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Datum: 21.03.2005
Quelle: idw
Pressestelle: Medizinische Hochschule Hannover

Chronisch lungenkrank - wie viele Menschen sind betroffen?


Für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) steht es fest: Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (chronic obstructive pulmonary disease - COPD) wird im Jahr 2020 die dritthäufigste Todesursache weltweit sein, nach Schlaganfall und Herzinfarkt. Die Hauptursache der COPD ist das Rauchen. Doch noch immer fehlen genaue Daten. "Wir wissen nicht, wie häufig die COPD ist, wie die Patienten mit dieser Krankheit medizinisch versorgt werden - noch kennen wir die Unterschiede in einzelnen Ländern", sagt Professor Dr. Tobias Welte, Direktor der Abteilung Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Das soll eine groß angelegte internationale Studie in mehreren Ländern mit dem Namen BOLD (burden of obstructive lung disease) nun zeigen: In China und der Türkei begannen Ende vergangenen Jahres bereits erste Untersuchungen, vor kurzem starteten Island, Südafrika und Österreich. Nun kommen die USA, Polen, Norwegen und Deutschland hinzu. Die Initiative startete das Kaiser Permanente Center for Health Research in Portland, Oregon, USA; dort werden alle Daten anonymisiert zusammengeführt. Das Center for Health Research ist ein unabhängiges, nicht-kommerzielles großes Forschungsinstitut, das seit 40 Jahren medizinische Forschung mit epidemiolo-gischem Hintergrund betreibt. "Die Region Hannover wir das Modellgebiet für Deutschland sein, die MHH das nationale Zentrum für die Studie", sagt Professor Welte. Er holte das Projekt nach Hannover. Die Schirmherrschaft hat Niedersachsens Sozialministerin Dr. Ursula von der Leyen übernommen. "Uns liegt besonders viel daran, dass die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung möglichst früh erkannt wird, damit sie rechtzeitig und richtig behandelt werden kann. Dazu müssen wir mehr über die Krankheit und ihre Verbreitung wissen. Gerade Raucher haben noch eine Chance, mit dem schädlichen Rauchen aufzuhören, wenn die COPD bei ihnen früh diagnostiziert wird", sagt Dr. Ursula von der Leyen.

Wie wird die Studie ablaufen?

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Eine standardisierte Befragung und ein Lungenfunktionstest sind die wesentlichen Elemente der Studie. Rund 1.000 Personen aus der Region Hannover - je zur Hälfte Frauen und Männer - werden willkürlich ausgewählt, angeschrieben und gebeten, bei der Studie mitzumachen. Ihre Aufgabe: den Fragebogen mit 15 Seiten auszufüllen und den Lungenfunktionstest mitzumachen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der MHH-Abteilung Pneumologie besuchen diese Personen zu Hause oder gehen mit ihnen in der MHH den Fragebogen durch. Darin wird ausführlich deren Krankengeschichte erfragt, das mögliche Raucherverhalten oder auch eventuelle Versuche der Entwöhnung. Arztbesuche oder ein Klinikaufenthalt werden ebenso erfasst wie die Lebensqualität.

"Unser Ziel ist es, auf diese Weise einen statistisch fundierten Querschnitt durch die Bevölkerung zu erhalten und genau herauszufinden, wie häufig die COPD tatsächlich ist", sagt Professor Welte. "Dabei hoffen wir auf die Mithilfe der angeschriebenen Menschen in der Region Hannover, auch wenn Sie keine Lungenprobleme haben."

Was ist die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung?

Die COPD (chronic obstructive pulmonary disease) ist eine chronische Entzündung der Bronchien, die dazu führt, dass sich die Atemwege verengen und sich nur teilweise durch Medikamente wieder weiten lassen. Zwei Krankheitsbilder lassen sich dabei unterscheiden:

- Chronisch obstruktive Bronchitis
Sie entsteht aus einer einfachen chronischen Bronchitis, wenn sie lange anhält und Schadstoffe wie das Rauchen weiter einwirken. Die Atemwege verengen sich (Obstruktion), Luftnot entsteht - zunächst unter Belastung, später auch in Ruhe.

- Lungenemphysem
Durch äußere Schäden wie das Rauchen beginnt die Lunge sich umzubauen. Die kleineren Lungenbläschen werden zerstört, wichtige Flächen für den Gasaustausch gehen verloren - anstelle von Lungengewebe bleiben nur mit Luft gefüllte Räume zurück. Patienten klagen frühzeitig über Atemnot, vor allem bei Belastung.
Welches sind die Ursachen?

Häufigste Ursache ist das Rauchen. Die Gefahr, an einer COPD zu erkranken, nimmt mit der Menge der inhalierten Zigaretten deutlich zu. Selten können auch andere Substanzen wie Stäube, Dämpfe und Gase oder genetische Ursachen zur COPD führen. Das Aufhören mit dem Rauchen ist die wichtigste Maßnahme, um einer chronischen COPD-Erkrankung vorzubeugen.

Welche Symptome weisen auf eine COPD hin?

- Husten, länger anhaltend, vor allem morgens nach dem Aufstehen

- Auswurf, der normalerweise weiß ist, sich aber bei bakteriellen Infekten gelb-grün verfärbt

- Atemnot, die meistens im frühen Stadium der Krankheit auftritt, zunächst nur unter Belastung, später auch in Ruhe

Wichtig ist, dass die Ärzte die Krankengeschichte ausführlich erheben - sie gibt oft schon deutliche Hinweise auf die COPD. Eine körperliche Untersuchung und ein Lungenfunktionstest gehören ebenfalls zur Basisdiagnostik. Weitergehende Laboruntersuchungen, Röntgenaufnahmen oder eine Bronchienspiegelung dienen häufig dazu, andere Krankheiten mit ähnlichen Symptomen auszuschließen.

Was setzen Mediziner in der Therapie ein?

So genannte Bronchodilatatoren, als Spray eingesetzte Medikamente, erweitern die verengten Atemwege. Medikamente mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen sind hier kombinierbar. Eine Therapie mit Cortison oder mit Antibiotika spielt nur bei einer akuten Verschlechterung eine Rolle. Ist die Erkrankung fortgeschritten, benötigen die Patienten eine Langzeit-Sauerstofftherapie - über eine Nasensonde erhalten sie zusätzlichen Sauerstoff. Physikalische Maßnahmen können diese Behandlung unterstützen, erleichtern das Abhusten und helfen, quälende Hustenreize zu vermeiden - oder lindern die Atemnot. Bei jungen Patienten in fortgeschrittenem Krankheitszustand werden auch chirurgische Eingriffe bis hin zu einer Lungentransplantation erwogen.

Weitere Informationen gibt Ihnen gern Professor Dr. Tobias Welte, Direktor der MHH-Abteilung Pneumologie, Telefon: (0511) 532-3530, E-Mail: welte.tobias@mh-hannover.de.

letztes Update: 17.12.2017
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