Herkömmliche Schmerzmittel verursachen Todesfälle!
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Datum: 02.10.2001
Quelle: pressrelations.de
Pressestelle: Österreichische Rheumaliga

Herkömmliche Schmerzmittel verursachen Todesfälle!


Neue Substanzen gelten als "zu teuer" Schmerzmittel fehlen heutzutage wohl in keinem Haushalt: Sowohl akute Schmerzen wie Kopf-, Zahn- oder Regelschmerzen als auch chronische Schmerzen wie Arthrose oder Rheuma werden oft auf eigene Faust medikamentös behandelt, ohne einen Arzt zu Rate zu ziehen. Weltweit nehmen 30 Millionen Menschen täglich Tabletten gegen Schmerzen: NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika) stellen die größte Gruppe der Schmerzmittel dar. Bei jedem dritten Patienten treten bei der Einnahme dieser Form der Schmerzmittel jedoch Nebenwirkungen auf, die wiederum behandelt werden müssen und in manchen Fällen zum (vermeidbaren) Tod führen. Kranksein ist teuer Krankheit kostet Geld: Arztbesuche, Medikamente, Untersuchungen, Spitalsaufenthalte und Operationen sind sehr kostenaufwendig. Die Krankenkassen "haben sowieso kein Geld" und schon gar nicht für neue, teure Medikamente. Vor allem dann nicht, wenn alte, ähnliche Medikamente viel, viel billiger sind. Deshalb werden diese auch nur sehr zögerlich (im medizinischen Fachjargon würde man sagen: einschleichend) zugelassen. Eine einfache Milchmädchenrechnung. Glaubt man. Teure "billige" Medikamente Denn: alte, billige Medikamente kosten viel mehr Geld, als man auf den ersten Blick sieht. Nämlich dann, wenn sie Nebenwirkungen haben. Nebenwirkungen müssen oft über einen längeren Zeitraum hinweg behandelt werden – und die Kassen haben weiteren Kostenaufwand durch Medikamente, Untersuchungen und Krankenhausaufenthalte. In Deutschland verursachen die Nebenwirkungen der NSAR den Kassen jährliche Kosten von fast einer Viertelmilliarde Mark. Die Patienten bezahlen mit Schmerzen, Verminderung der Lebensqualität und viel zu häufig mit dem Tod. Auch die Österreichische Rheumaliga rät allen Betroffenen, die Gefahren bei der Behandlung von Rheumapatienten durch eine NSAR-Therapie nicht zu unterschätzen und mit dem behandelnden Arzt ein optimales Konzept zur Vorbeugung zu erstellen. NSAR – Verursacher gefährlicher und kostspieliger Nebenwirkungen Mittel gegen akute wie chronische Schmerzen (rheumatische Erkrankungen), sogenannte NSAR (nicht steroidale Antirheumatika wie Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin®), Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen), sind seit vielen Jahrzehnten im Einsatz, um Zahn-, Kopf- und Gelenkschmerzen zu stillen. Bei regelmäßiger Einnahme können sie zu Magenschmerzen, -geschwüren und –blutungen führen. Eigentlich sollte zusätzlich zu diesen Medikamenten ein Magenschutz verordnet werden, was aber leider nicht immer passiert und jeden dritten Patienten unter Nebenwirkungen leiden lässt. Neue Medikamente, welche die Magenschleimhaut nicht angreifen, werden aus Kostengründen nur mit Einschränkungen zugelassen. In Österreich sterben nach Schätzung von Experten jährlich etwa 200 bis 300 Patienten an den Folgen der Nebenwirkungen. Besonders gefährdet: Rheuma- und Polyarthrose-Patienten Patienten mit rheumatischen Erkrankungen müssen über sehr lange Zeit, oft dauerhaft, Medikamente zur Behandlung ihrer Erkrankung einnehmen. Diese Dauerbehandlung führt mitunter zu großen Problemen: Obwohl die Beschwerdesymptomatik sowie der Leidensdruck der Patienten durch den Einsatz dieser Medikamente deutlich positiv beeinflusst wird, verursachen NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika) schwere Entzündungen der Schleimhaut des Magens bzw. des Zwölffingerdarms (Gastritis, Duodenitis), Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre und gefährliche bis lebensbedrohliche Magen- und Zwölffingerdarmblutungen. Das größte Risiko besteht in den ersten drei Monaten der NSAR-Therapie und ist besonders hoch bei Patienten mit Blutverdünnung (beispielsweise durch eine Marcoumar-Therapie), bei älteren Patienten und bei allen, die eine hohe Dosis von NSAR konsumieren. Wirkmechanismus der NSAR Der Grund für die Nebenwirkungen liegt im Wirkmechanismus der NSAR: NSAR hemmen die Cyclo-Oxigenase ("COX"), ein Enzym, das in der Entwicklung von Schmerzen und Entzündungen eine wichtige Rolle spielt. Bis vor zehn Jahren wusste niemand, dass es eigentlich ein Zwillingspärchen mit ganz unterschiedlichen Aufgaben ist – COX1 und COX2. COX1, die "gute COX", hat eine wichtige Rolle im Körper des Menschen: Sie schützt die Magenschleimhaut. COX2 hingegen führt zu Entzündungen und Schmerzen. Um sie geht es bei der Schmerzbehandlung. Seit das Geheimnis um das Zwillingsenzym gelüftet ist, ist auch klar, warum viele Schmerzmittel als Nebenwirkungen Magenprobleme verursachen – die "gute COX" wird auch gehemmt und kann den Magen nicht länger schützen. Coxibe als Alternative Eine neue Substanzklasse zeichnet sich durch gleich gute Wirksamkeit fast ohne Nebenwirkungen aus: Die Coxibe. Sie wirken selektiv und hemmen nur COX2, die "gute COX" bleibt intakt – und die Magenschleimhaut ebenfalls. In manchen Ländern sind Coxibe schon zur Behandlung von verschiedenen Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises zugelassen und werden bereits gegen Akutschmerz wie Zahn- oder Regelschmerz eingenommen. In Österreich gibt es zwei Präparate, die mit Einschränkungen wie "für Patienten über 65 Jahre" oder "bei Bestehen eines Magengeschwürs" zur Behandlung von Arthrose bzw. Polyarthritis eingesetzt werden. Europaweite Initiativen zur optimalen Behandlung von Rheumapatienten Rheumapatienten sind oft ein Leben lang auf Medikamente zur Schmerzlinderung angewiesen und benötigen beste und schonende Medikamente, damit sie nicht zusätzlich von Nebenwirkungen geplagt werden. Helga Himmetsberger, Internationale Referentin der Österreichischen Rheumaliga, weiß, dass gemeinsame Aktionen, möglichst über die Landesgrenzen hinaus, viel mehr bringen als Einzelinitiativen und versucht, Rheumapatienten zu gemeinsamen Aktionen zu motivieren. Norwegischer Rheumaverband macht Schule In ganz Europa werden mittlerweile neue Ansätze zur Schmerzbehandlung bei Rheumapatienten diskutiert: Norwegen ist das beste Beispiel dafür, was man gemeinsam bewirken kann: Per Aage Bjorke, Präsident des internationalen Arthrose- und Rheumaverbandes Norwegens, erzählt, wie es zur Zulassung der Coxibe in Norwegen kam: Nachdem im Vorfeld alle Ansuchen der norwegischen Selbsthilfegruppen ungehört blieben und der Gesundheitsminister einen negativen Bescheid für die Bewilligung erteilen wollte, handelten die SHG öffentlichkeitswirksam und erfolgreich: "Kurz vor den Wahlen sendeten wir im Frühstücksfernsehen Bilder eines blutenden Magengeschwürs. Zu Mittag rief der Gesundheitsminister an und fragte, ob wir weitere derartige Aktivitäten geplant hätten. Um 21 Uhr wurde die Bezahlung der Cox-2-Hemmer für die Patienten beschlossen. In Norwegen hilft das 300.000 Rheumatikern.". NSAR: Zahlen und Fakten Der spanische Gastroenterologe Univ.-Prof. Dr. Angel Lanas legte anlässlich eines internationalen Symposiums im Juni d. J. in Brüssel folgende erschreckende Zahlen vor: 15 – 30% der Patienten, die ein Jahr lang NSAR einnehmen, entwickeln Magengeschwüre, weitere 25% haben Schmerzen. Bei 1-2% treten schwere Komplikationen wie Magenblutungen auf, bis zu 20% von ihnen sterben daran. Univ.-Prof. Dr. Andrew Moore, Anästhesist in Oxford, kennt die Zahlen aus England: In England sterben jährlich 2.230 Menschen an blutenden Magengeschwüren durch NSAR. In den USA sind es 16.500 Todesfälle pro Jahr. Eine Studie von Dr. Wolfgang Bolten (Rheumaklinik Wiesbaden) vergleicht die geschätzten 1100 bis 2400 NSAR-Toten Deutschlands mit "nur" 814 HIV-Toten und 1512 Opfern, die spontan bei Verkehrsunfällen tödlich verunglücken. Moore räumt auch mit den Kosten auf: In Frankreich kommen auf jeden Franc, der für Antirheumatika ausgegeben wird, noch 0,74 Franc für den Magenschutz, in England sind es pro 1 Pfund noch 96 zusätzliche Pence. Das heißt konkret: Zur direkten Vermeidung der Nebenwirkungen wird etwa genauso viel Geld ausgegeben wie für die eigentliche Schmerzvermeidung.

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letztes Update: 17.01.2020
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