Aus den Augen, aus dem Sinn - Droht Aids in Vergessenheit zu geraten?
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Datum: 23.05.2001
Quelle: mz
Pressestelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Aus den Augen, aus dem Sinn - Droht Aids in Vergessenheit zu geraten?


Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stellt die neuesten Ergebnisse der Repräsentativerhebung "Aids im öffentlichen Bewusstsein der Bundesrepublik Deutschland" 2000 vor Vom 4. bis 7. Juli 2001 findet in Berlin der 8. Deutsche Aids-Kongress statt. Im Vorfeld dieser Veranstaltung startet die Deutsche Aids Gesellschaft e.V. (DAIG) die Aktion "Vergessen ist ansteckend", für deren Anzeigen- und Plakatkampagne die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) die fachliche Beratung übernommen hat. Die Beratung erfolgt auf der Basis der langjährigen Erfahrungen der BZgA mit der Kampagne "Gib Aids keine Chance" und der aktuellen Daten der Studie "Aids im öffentlichen Bewusstsein in Deutschland". Ziel der Aktion "Vergessen ist ansteckend" ist es, die erfolgreiche Arbeit der Aidsprävention in Deutschland zu unterstützen und neue Impulse zu geben, um die Gefährdung durch HIV und Aids wieder nachhaltig in den Köpfen der Menschen zu verankern. Dass dies notwendig ist, zeigen die neuen Daten. Wissen, Einstellungen und Verhalten zum Schutz vor Aids im Jahr 2000 Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung führt seit 1987 jährlich eine Repräsentativerhebung in der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland durch mit dem Ziel, Veränderungen von Wissen, Einstellungen und Verhalten im Hinblick auf HIV und Aids zu beobachten. Die Ergebnisse der Ende 2000 durchgeführten Erhebung liegen jetzt vor: Eines der wichtigsten Ergebnisse der neuen Studie ist der erhebliche generelle Rückgang der Kommunikation über Aids. Die Erreichbarkeit der Bevölkerung und einzelner Zielgruppen mit Medien, die über Aids informieren oder zur Kondomnutzung motivieren, nimmt kontinuierlich und deutlich sichtbar ab - einschließlich der Medien der Aids-Aufklärung wie TV-Spots, Anzeigen, Broschüren und Informationsveranstaltungen. Durch die Abnahme dieser regelmäßigen "Informationsstimuli" gerät das Thema, das sich zudem in ständiger Konkurrenz mit anderen aktuellen Berichterstattungen wie z.B. BSE oder MKS befindet, aus dem Blick. Parallel mit dieser Entwicklung gehen auch die Gespräche über Aids in der Familie und im Freundeskreis zurück und die Inanspruchnahme fachlicher Beratung sinkt. Mit dem Reichweitenrückgang verändert sich auch die Wahrnehmung von Aids als bedrohliche Krankheit. Bezeichneten zu Beginn der neunziger Jahre noch 60 Prozent der Bevölkerung Aids als eine der gefährlichsten Krankheiten, so sind es im Jahr 2000 nur noch 37 Prozent. Diese Entwicklung lässt sich nicht auf die Verfügbarkeit neuer Therapien zurückführen und auch nicht auf ein generelles Desinteresse der Bevölkerung an diesem Thema. Denn: Unverändert hoch ist das Interesse am Thema Aids, sowohl was Informationen über den Schutz vor Aids (53 Prozent) betrifft als auch die Lebenssituation von Aids-Kranken und Infizierten (60 Prozent) und Ergebnisse der medizinischen Forschung (82 Prozent). In den jüngeren Altersgruppen liegt das Informationsinteresse im übrigen noch deutlich höher. In Verbindung mit dem Interesse am Thema steht auch die Akzeptanz von Maßnahmen der Aids-Aufklärung. Wie bereits 1989, so halten es auch im Jahr 2000 immer noch 98 Prozent der Bevölkerung für richtig, dass durch die Gesundheitsbehörden von Bund und Ländern eine umfassende Aidsaufklärung durchgeführt wird. Dies ist ein deutlicher Zuspruch für die kompetente und fachlich überzeugende Aufklärungsarbeit seitens staatlicher und kommunaler Behörden. Das Basiswissen über Aids bewegt sich nach wie vor auf hohem Niveau. Einige Lücken sind jedoch bei präventionsrelevanten Fragen zu beobachten. So ist ein gutes Viertel der Bevölkerung (aber auch ein Fünftel der 16 bis 20jährigen) nicht darüber informiert, dass man sich bei einem infizierten Partner anstecken kann, auch wenn die Krankheit noch nicht ausgebrochen ist. Ein Drittel der Bevölkerung ist der irrigen Meinung, dass man eine HIV-Infektion an äußeren Zeichen erkennen könne (16 bis 20jährige: 29 Prozent) oder ist sich nicht sicher, ob dies möglich ist (16 bis 20jährige: 6 Prozent). Mitte der achtziger Jahre, als noch nicht entschieden war, welche Präventionsstrategie sich in der Bundesrepublik Deutschland durchsetzen würde, bestand ein weitgehend polarisiertes Meinungsklima in der deutschen Öffentlichkeit. 1985, also vor Beginn der Aids-Aufklärung, hielten noch 36 Prozent der Deutschen eine Ausgrenzung von Aids-Kranken für gerechtfertigt, 15 Prozent hatten keine eindeutige Meinung. Mit Beginn der Aids-Aufklärung erreichte das Meinungsklima gegen die Ausgrenzung von Aids-Kranken aus der Gesellschaft ein hohes Niveau und ist seitdem stabil. Jedoch scheinen sich die bereits 1999 sichtbar gewordenen Anzeichen einer sinkenden Bereitschaft, sich für HIV-Positive und Aids-Kranke persönlich zu engagieren, zu bestätigen. Ein zentrales Element der Kampagnenstruktur ist bis heute die Kooperation und Arbeitsteilung zwischen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung als staatlicher Einrichtung sowie den anderen Partnern auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene und den nichtstaatlichen Selbsthilfeorganisationen, insbesondere der Deutschen AIDS-Hilfe und den lokalen Aids-Hilfen. Gemeinsames Ziel aller war und ist es, den Lernprozess "Schutzverhalten" in Gang zu setzen. Mitte der achtziger Jahre begann die bundesweite Präventionskampagne, die zu einer Zunahme der Kondomnutzung und zu einem Rückgang der Neuinfektionen führte. Auch die sexuell übertragbaren Krankheiten Tripper und Syphilis zeigten seit Beginn der Aids-Prävention einen verstärkten Rückgang. Seit etwa 1996 setzt sich dieser positive Trend nicht mehr weiter fort, sondern stagniert auf hohem Niveau. So haben 1996 72 Prozent der jüngeren Alleinlebenden unter 45 Jahren Kondome benutzt, in der aktuellen Untersuchung sind es 70 Prozent. Diese Entwicklung bedeutet, da ss auch keine weitere Reduzierung der Wahrscheinlichkeit von sexuell übertragbaren Infektionen stattfindet. "Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat auf diese Entwicklung frühzeitig reagiert", sagt deren Direktorin Dr. Elisabeth Pott. "Sie hat u.a. ab 1995 zusammen mit dem Fachverband Außenwerbung die Plakatkampagne "mach's mit" ins Leben gerufen. Die Wahrnehmung und Reichweite dieser Kampagne hat seitdem kontinuierlich zugelegt. Über 80 Prozent der Bevölkerung geben Ende 2000 an, sich an die Plakate mit den großen, farbigen Kondomen und den frechen Sprüchen zu erinnern." Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung begrüßt die Aktion "Vergessen ist ansteckend" weil sie hilft, das Thema Aidsprävention öffentlich in der Diskussion zu halten.

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letztes Update: 10.12.2018
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