Weltpremiere: Größte urologische Operation erstmals minimal-invasiv durchgeführt
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Datum: 20.04.2000
Quelle: idw
Pressestelle: Medizinische Fakultät Charité der Humboldt-Universität zu Berlin

Weltpremiere: Größte urologische Operation erstmals minimal-invasiv durchgeführt


AUS DER MEDIZIN FÜR DIE MEDIEN 13-2000

Weltweit erstmals ist in der Klinik für Urologie der Charite einem Patienten laparoskopisch die Harnblase entfernt worden und in gleicher Sitzung auch ein neues Urinreservoir (Sigma-Rectum-Pouch) aus Teilen des Dickdarms gebildet worden, wodurch dauerhaft Harnkontinenz gewährleistet ist. Die Operation, die etwas länger als sieben Stunden dauerte, wurde vom Oberarzt der Klinik, Dr. Ingolf Türk zusammen mit Professor Stefan Loening und zwei Asssistenten durchgeführt.
Der Patient, ein 63 Jahre alter Mann, litt an einem Krebs (Karzinom) der Harnblase, der sich so weit ausgebreitet hatte, daß die gesamte Blase und die Harnröhre entfernt werden mußten. Statt des bei offener Operation dafür notwendigen großen Bauchschnittes vom Brust- bis zum Schambein benötigten die Urologen für ihr laparoskopische Vorgehen nur fünf kleine Einschnitte zum Einbringen der endoskopischen Arbeitsgeräte: einen am Bauchnabel für die endoskopische Lichtquelle und je zwei - fünf bzw.10 Millimeter weite- Öffnungen an jeder Seite des Unterbauches für die Instrumente.
Die Blase wurde aus ihrer anatomischen Verankerung gelöst, in ein Plastikbeutelchen verpackt und dann durch den Mastdarm nach außen befördert. Dieser Ausgang bot sich an, nachdem aus dem Darm ohnehin ein Harnreservoir gebildet werden sollte, um dem Patienten die Harn-Inkontinenz zu ersparen. Dafür wurde der Mastdarm einige Zentimeter weit aufgeschnitten und so wieder zusammengenäht , daß ein kugelförmiger Hohlraum, ein Pouch, entstand. In seine Wand wurden die beiden Harnleiter eingenäht, sodaß nun kontinuierlich Urin aus der Niere in diesen Pouch abfließt. Der Patient entleert daher nicht nur Stuhl, sondern auch (drei bis viermal am Tag) Urin über den Anus. Eine künstliche Harnableitung nach außen entfällt.
Als weiteren Vorteil der minimal-invasiven Operationstechnik wertet Türk die Tatsache, daß für den gesamte Eingriff keine Blutkonserven benötigt wurden. Er führt das auf die ausgesprochen gute Sicht auf das Operationsgebiet zurück, das sich dem Operateur auf dem Monitor in starker Vergrößerung darbietet. Dadurch könne man jede Blutungsquelle sofort entdecken und beseitigen. Außerdem scheine der Blutverlust auch durch den relativen Überdruck (von 15 mm Hg), der bei laparoskopischen Eingriffen im Bauchraum durch Insufflation von CO-2 erzeugt wird, in sehr engen Grenzen gehalten zu werden.
Zwar ist die Operationsdauer beim minimal-invasiven Vorgehen um bis zu zwei Stunden gegenüber der offenen Operation verlängert. Dies aber dürfte kaum ins Gewicht fallen angesichts der Verkürzung des Krankenhausaufenthaltes auf etwa ein Drittel (von drei Wochen auf eine).
Silvia Schattenfroh
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letztes Update: 14.12.2018
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