Rente erst ab 67
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Es war schon länger abzusehen und nun ist es wahr geworden: Das Rentenalter wird auf 67 heraufgestzt. Sieht man sich die demographische Entwicklung in Deutschland an, scheint dieser Schritt eine völlig logische Entscheidung zu sein: Die Lebenswerwartung der Bevölkerung steigt und deshalb verlängert sich auch die Zeit der Erwerbstätigkeit. Dadurch wird das Verhältnis von Jahren, in denen ein Bürger in die Rentenkassen einzahlt, zu Jahren, in denen er Rente in Anspruch nimmt, in eine Richtung verschoben, die positiv für die Rentenkassen und damit auch für die Beitragssätze ist.

Wir werden also alle älter. Aber sind wir auch fitter? Sind wir mit 67 wirklich in der Lage den Anforderungen des Arbeitslebens gewachsen? Ich habe da so meine Zweifel. Die Frage ist doch: Warum werden wir älter? Ich sage: weil die Medizin uns länger am Leben erhält. Immer mehr Krankheiten sind früh erkennbar, heilbar oder ihre Symptome zumindestens soweit einzudämmen, daß sie die Lebenserwartung nicht nenneswert beinflussen. Das heisst aber im Umkehrschluss, daß wir eben nicht fitter mit 67 als die Generation unserer Eltern sind. Wir haben nur ein geringeres Risiko früher zu sterben.

Im Klartext heisst das also, daß die kommende Generationen länger am Arbeitsleben teilnehmen müssen, obwohl sie gesundheitlich und vom Alterungsprozess betrachtet nicht besser geeignet sind als frühere Generationen. Tun sie das nicht müssen sie Einbussen der ohnehin schon mageren Rente hinnehmen.

Aber selbst wenn man sich damit abfindet, steht der arbeitswillige Mitbürger vor einem noch viel größeren Problem: Wo soll man denn mit 66 Jahren, und da soll ja das Leben erst richtig beginnen, glaubt man einem bekannten Sclager, wo soll man denn arbeiten. Wir sollten uns darüber im Klaren sein, daß wir in einem Land leben, in dem viele Stellen auschliesslich an unter 40jährige ausgeschrieben werden. Deutschland ist ein Land, in dem Arbeitnehmer ab 50 als schwer vermittelbar gelten. Mit Ausnahmen natürlich: Manager, Politiker und Päbste. Aber das sind Berufsbilder, die sicherlich nicht breitentauglich sind.

Die Wahrheit ist also, daß wir mehr arbeitslose ältere Mitbürger haben werden, die die Sozialkassen belasten. Dafür werden aber die Rentenkassen entlastet, da die Rentenansprüche Vieler sinken werden, da sie nicht die geforderte Anzahl von Jahren Erwerbstätigkeit aufweisen können. Ein Nullsummenspiel, ein genialer Schachzug? Ich tendiere zu ersterem. Nur die Würde Vieler wird auf der Strecke bleiben, die Sozialhilfe statt Rente mit 65 beziehen werden.

Gut, meckern ist einfach. Doch was ist die Lösung? Die Lösung liegt in unseren Köpfen. Es ist eigentlich kein Geheimnis, daß ältere Arbeitnehmer viele Vorteile gegenüber ihren jüngeren Kollegen haben. Sie haben Erfahrung, sind nicht so leicht aus der Ruhe zu bekommen, warten nicht auf den Karriereabsprung zur nächsten Firma, haben die wilden Ellbogenkarriere-Jahre hinter sich. Natürlich steht dem gegenüber, daß das Lernen im Alter schwrerer fällt, die Belastungsfähigkeit nicht mehr ganz so hoch ist, wie in der Jugend. Aber wenn es gelingt, den Jugendwahn zu bezwingen, dann kann Rente mit 67 ein Erfolgsrezept sein. Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg. Dieser "Reform" kommt zu früh, sie ist der zweite Schritt vor dem ersten. Und doch kommt sie auch zu spät, weil wichtige Veränderungen zu lange verschoben wurden.

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Pascal Kaufmann

letztes Update: 11.02.2006
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